Schülerselbsttests – eine Lehrerin berichtet

Beyond the scenes: Auf ins Popel-Abenteuer!

Schülerselbsttests an der RSROK – ein Erfahrungsbericht

Ich habe es getan! Und das nicht alleine, nein gleich mit acht anderen. Was in Lehrerkreisen derzeit für große Aufregung sorgt, habe ich nun zum ersten Mal erlebt: die Durchführung des Corona-Selbsttests, den Schülerinnen und Schüler seit dieser Woche zum Start ihres Schultages absolvieren sollen.

Die vorbereitende Dienstbesprechung bringt für mich eine Menge Nervosität und offene Fragen mit sich. Bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war mir, dass die Kinder sich zugunsten eines möglichst sicheren Testergebnisses vor Durchführung der Tests die Nase schnäuzen sollen – am besten mehrfach, natürlich ohne Maske, am offenen Fenster, aber mit mir im Klassenraum. Mir schwirren Diagramme durch den Kopf, die veranschaulichen, wie viel Aerosol bei welchen Tätigkeiten ausgestoßen wird. Husten und Nase schnäuzen habe ich da ziemlich weit oben abgespeichert. Die Information löst also keine positive Grundstimmung in mir aus.

Dazu kommen organisatorische Tücken. Schnäuzen, Hände waschen, Test-Kit auspacken, Müll hierhin, Streifen dahin, Teststäbchen auspacken – nicht das falsche Ende anfassen! -, Abstrich nehmen, Teststäbchen festhalten, gleichzeitig das Fläschchen mit der Pufferlösung öffnen (motorisch hoch anspruchsvoll), den Tupfer in der Pufferlösung ausdrücken, Teststäbchen entsorgen, Lösung auf die richtige Stelle des Teststreifens aufbringen (nicht zu viel, nicht zu wenig drücken) – und warten, bis hoffentlich die richtige Anzahl Streifen (einer!) angezeigt wird.

Meine Premiere in Sachen Selbsttest vollziehe ich im Vorhinein im stillen Kämmerlein. Und stelle fest: Stimmt, es gibt einiges zu beachten – aber ehrlich gesagt ist die Durchführung mit ein bisschen Konzentration auch kein Hexenwerk. Meine Hoffnung steigt, dass ich meine Schüler bei ihrem ersten Selbsttest im Klassenraum gut begleiten kann.

Montagmorgen, erste Stunde in meiner sechsten Klasse: Alle Testkandidaten sind angetreten, in der Klasse – aktuell aufgrund des Wechselunterrichts nur in halber Stärke anwesend – herrscht eine Mischung aus aufgeregter Nervosität und angespanntem Gekicher. Bevor es ans Abstreichen geht, möchte ich zunächst von den Kindern erfahren, welche Erfahrungen mit Corona-(Selbst-)Tests sie bereits gesammelt haben – und merke schnell, dass es meinen Schülern ähnlich geht wie mir selbst: Nur wenige haben Vorerfahrungen mit einem Test an einer offiziellen Prüfstelle und noch weniger mit Selbsttests zu Hause gesammelt. Also zeige ich erstmal die Testutensilien, erkläre Ablauf und Gebrauch und thematisiere auch die Frage: Was ist, wenn einer der Tests tatsächlich anschlägt? Wie gehen wir als Klassengemeinschaft damit um – und was darf auf keinen Fall passieren? Welche weiteren Schritte sind bei einem positiven Testergebnis nötig?

Nach rund 20 Minuten sind die wichtigsten Fragen besprochen und ich habe das Gefühl, wir sind genügend gut gerüstet. Also auf ins Popel-Abenteuer! Die Organisation der verschiedenen Utensilien auf dem Tisch gelingt mal besser, mal schlechter. Kopf in den Nacken legen und 15 Sekunden Stäbchen in der Nase hin- und herbewegen. Die Gesichter verzerren sich, aber keiner lässt sich hängen. Geschafft, der schlimmste Teil liegt hinter uns. Das Öffnen der Pufferlösung mit dem zwischen die Finger geklemmten Stäbchen gerät zum Drahtseilakt. „Dafür muss es doch eine praktikablere Lösung geben!“, schießt es mir durch den Kopf. Aber auch dieses Hindernis überwinden alle Kandidaten. Teststreifen werden beträufelt und sämtliche bisher genutzten Utensilien verschwinden im Müllbeutel, der zügig gefüllt ist. So viel Material, und das jeden Tag wieder. Doch Gedanken an Nachhaltigkeit sind hier definitiv fehl am Platz.

Geschafft! Meine Schülerinnen und Schüler lehnen sich entspannt zurück und auch ich atme auf. Kein Teststreifen hat angeschlagen, die Premiere war ein voller Erfolg – der Schultag kann kommen.

Life-Hack: Pufferlösung-Halterung

Nach meiner Klassen-Testpremiere unterhalte ich mich mit Kollegen über die Schwierigkeit, das Teststäbchen sinnvoll zu parken, während die Pufferlösung geöffnet werden muss. Dieser Vorgang erfordert eigentlich zwei freie Hände. In Test-Kits, wie sie im Supermarkt oder der Apotheke erhält­lich sind, werden häufig kleine Halterungen mitgeliefert. Diese fehlen in den Schulsets jedoch. Ein unkonventioneller Lösungsvorschlag aus dem Kollegenkreis: Wäscheklammern! Diese ans Ende des Lösungsröhrchen geklammert sorgen für einen sicheren Stand auf dem Tisch. So kann das Röhrchen in Ruhe geöffnet und sicher abgestellt warten, bis der Abstrich durchgeführt ist und das Teststäbchen in der Lösung ausgedrückt wird. Anschließend auf einem Küchentuch versammelt können die genutzten Klammern mit Desinfektionsspray eingenebelt und bei der nächsten „Runde“ wieder eingesetzt werden.

Schreibe einen Kommentar