„Walking bells“ – ein Sommernachtstraum im Schlosspark

Walking Bells

 

Die Rockenhausener Kulturnacht startete dieses Jahr mit einem besonderen Höhepunkt. Uraufgeführt wurde das Stück „Walking Bells“ für Carillon, Schlagwerk und Tonglocken, das von der US-amerikanischen Komponistin Julie Zhu eigens für diesen Anlass komponiert worden war. Zhu ist nicht nur selbst ausgebildete Carillonneurin und Komponistin, sie lehrt auch Darstellende Kunst am Fachbereich Musik, Theater und Tanz der Universität von Michigan. Darüber hinaus hat sie sich durch ihre freundliche und offene Art bei den Proben die Sympathien der Schülerinnen und Schüler erworben.

Das Außergewöhnliche an dieser Aufführung war, dass die Tonglocken von Schülerinnen und Schülern der Realschule plus gespielt worden waren. Über mehrere Wochen hinweg übten sie das Stück gemeinsam mit ihren Musiklehrerinnen Renate Bechter und Christine Kaufhold ein. Gespielt wurde auf Glocken die eigens von der Sonnwälder Töpferei auf der Heide angefertigt wurden.

Kurz vor der Aufführung erreichte das Ensemble zwei Hiobsbotschaften: Der Wetterdienst sagte Regen voraus und der Schlagzeuger erkrankte an Corona. Glücklicherweise konnte mit Michael Gärtner ein versierter Ersatz gefunden werden. Er ist vielen Schülerinnen und Schülern der Realschule plus gut bekannt, denn neben seiner Tätigkeit als Schlagzeuger der Deutschen Radiophilharmonie Kaiserslautern Saarbrücken leitet er die Klangwerkstatt in Enkenbach, die regelmäßig von den Klassen unserer Schule besucht wird.

Pünktlich zu Beginn der Veranstaltung hatte auch Petrus ein Einsehen und die Wolkendecke riss auf und tauchte den Schlosspark in Abendsonnenstrahlen. Nach den Begrüßungsworten von Jürgen Hardeck, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Kultusministerium, und dem Rockenhausener Stadtbürgermeister Michael Vettermann, sprach Lydia Thorn Wickert zu den knapp 250 Gästen, die den Weg hinter das Museum für Zeit gefunden hatten. Sie kann mit Fug und Recht als Ideengeberin und treibende Kraft hinter diesem Mammut-Projekt bezeichnet werden. In ihrer Rede betonte sie, dass durch dieses Konzert Rockenhausen ein Platz auf der kulturellen Landkarte eingeräumt werden müsste.

Zu Beginn der Aufführung lagen die Glocken reihenweise auf der Wiese unter dem Carillon und die Schülerinnen und Schüler standen um die Schlaginstrumente Michael Gärtners herum. Während Zhu auf dem Carillon eine Folge von Tönen spielte, die sich nach und nach – unterstützt durch die rhythmische Struktur Gärtners – zu einem Klangteppich entfalteten, nahmen die Jugendlichen nach und nach ihre Plätze ein. Kurz darauf wurde deutlich, dass der Titel Walking Bells nicht nur eine Metapher ist. Die Schülerinnen und Schüler liefen ihre Glocken spielend kreuz und quer durch das Publikum und den Schlossgarten. Dadurch entstanden spannende Klangerlebnisse, denn je nach Standort konnte die Musik nun auch von hinten, links oder rechts ertönen. Nach und nach sammelten sich die Glockenspielerinnen und -spieler wieder auf dem Rasen und die Musik ging in eine ruhigere Phase über. Waren die Glocken bis dahin mit einem Schlägel angeschlagen worden, so wurden sie nun umgedreht, mit Murmeln befüllt und der Ton jetzt durch kreisförmiges Schwenken erzeugt. So klang die Musik langsam aus und der Beifall des Publikums belohnte die Jugendlichen, den Schlagzeuger und die Komponistin für ihre eindrucksvolle Vorstellung.

 

 

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