Fit fürs Leben – auf dem Wege der Digitalisierung

Perspektiven und neue Wege der Realschule Plus

Gedanken zur Schulentwicklung

Schulen – auch die traditionsreiche und „alte“ Realschule plus – müssen sich ständig weiterentwickeln. Weiterentwickeln heißt aber nicht, dass alte und bewährte Lehr- und Lernmethoden über Bord geschmissen werden. Die Schulen müssen die Balance finden zwischen neuen und alten Methoden. Wir sollten allerdings – bevor wir über notwendige Digitalisierung in der Schule nachdenken -, nicht den Fehler machen Digitalisierung als Passe-partout, als Zaubermittel für alle erzieherischen und didaktischen Probleme zu benutzen. Eine stärke Einbindung von digitaler Technik in den Unterricht vereinfacht viele Dinge, sie ist aber kein Zaubermittel.

Unsere Gesellschaft unterliegt in diesen Jahren dem größten Paradigmenwechsel seit der Erfindung des Buchdrucks. Unsere Kinder gehen völlig selbstverständlich mit Handys, Smartphones und Computern um. Und auch wenn man als Schule nicht jedem Trend sogleich hinterherlaufen oder sogar antizipieren muss, sollten wir uns der Notwendigkeit modernster Unterrichtstechnologien nicht mehr entziehen. Konkret heißt dies für unsere Schule, dass wir in den nächsten Jahren unsere Schüler mit iPads ausstatten werden und nach und nach sollten die Schüler*innen auch die Möglichkeit haben, Lehrwerke digital zur Verfügung zu haben. Entweder können die Eltern diese Geräte käuflich erwerben oder die Geräte können geleast oder entliehen werden. Den genauen Modus operandi werden wir noch festlegen.

2021 war unsere Schule wegen der Pandemie teilweise über Wochen geschlossen. Die Kreisverwaltung hat uns einige Geräte geliefert, so dass wir dann fast alle Schüler*innen mit iPads ausstatten konnten.  Der Fernunterricht wurde dann natürlich anders organisiert, z.B. hatten die Schülerinnen nur 30 statt 45 min Unterricht. Der Gesamtunterricht wurde auf 4 – 5 Stunden angepasst, da uns allen klar war, dass Schüler*innen wohl kaum 6 Stunden vor dem iPad durchhalten. Insgesamt war der Fernunterricht sehr erfolgreich und wurde auch von der Presse und vom Ministerium gelobt. Man konnte beobachten, dass es zahlreiche Schüler*innen gab, die durch den intensiven Fernunterricht ( z.B. gab es natürlich wenig Störungen und die Schüler konnten sich auf den Lernstoff besser konzentrieren) Fortschritte gemacht haben, die im normalen Unterricht undenkbar waren. Sicherlich gab es auch Schüler*innen (insbesondere in den unteren Klassen), die mit dieser Art des Lernens nicht zurecht kamen und Rückschritte gemacht haben.

Unsere Lehrerinnen und Lehrer haben durch die Anwendung von zahlreichen Lernplattformen, Apps, Erstellen von eigenen Materialien etc. natürlich auch eine enorme didaktisch-digitale Weiterentwicklung erfahren. Mit Wiederbeginn des Präsenzunterrichtes wurden bestimmte Elemente des Fernunterrichts in den normalen Unterricht integriert. Digitalisierung darf sich nicht nur auf die technische Ausstattung mit iPads, Accesspoints, Webcams, apple-TV, Whiteboards etc beziehen, sondern ist wesentlich mehr als das. Beispielsweise sollte eine permanente Fortbildung des Kollegiums genauso im Fokus stehen wie die Propagierung im Kollegium von best-practice Beispielen.

Nach der Pandemie haben wir z.B. auch kranke Schüler*innen von zu Hause zugeschaltet oder bei Konferenzen wurden Lehrer*innen oder Experten im Hybridmodus mit einbezogen. Man kann also sagen, dass in der Pandemie für die Schulen auch eine Chance lag. Diese neuen Möglichkeiten haben die Kolleginnen und Kollegen der Realschule plus voll wahrgenommen und den Unterricht weiterentwickelt!

Wo geht es hin? Welche Richtung schlägt die Schule ein?

Wir haben vor, nach und nach die Schulbücher durch digitale Versionen zu ersetzen. Dies hat folgende Vorteile:

  1. Die Taschen der Schüler*innen werden natürlich wesentlich leichter (oft ein großes Problem gerade in den unteren Klassen)
  2. Die digitalen Unterrichtsmedien sind wesentlich günstiger.
  3. Auch die Schulbuchausleihe würde, nicht nur was die Kosten angeht, entlastet, sondern auch der organisatorische Aufwand wäre wesentlich geringer
  4. Schüler*innen werden schon früh an digitale Medien gewöhnt, wachsen mit ihnen auf und haben im späteren Leben weniger Anpassungsschwierigkeiten
  5. Mit dem iPad in der Tasche ist der Ranzen praktisch vollständig gepackt. Es gibt kein Vergessen mehr von Büchern, Heften, Arbeitsblättern – ein steter Streitpunkt zwischen Lehrkräften und Schüler*innen.

Uns schwebt vor, dass wir nach und nach ganze Klassen mit iPads ausstatten. Im Donnersbergkreis wären wir damit die erste Realschule plus, die diesen Weg einschlägt. Da unser Schulträger auch sehr innovativ ist, gehe ich davon aus, dass wir gemeinsam Lösungen finden, entweder durch Leih- oder Leasingeräte oder eigene Privatgeräte. Wir denken, dass es jetzt an der Zeit ist, diese Entwicklung zu forcieren, damit wir unsere Kinder zukunftstauglich und fit fürs Leben machen können. Ein Großteil von Arbeiten wird heute in der modernen Arbeitswelt auf elektronische Weise verarbeitet. Die University of London konnte in einer Studie zum Thema belegen, dass Tablets im Unterricht die Motivation sowie die Lernbereitschaft der Schüler erhöhen.
Viele der Schüler begegnen den Geräten von Anfang an mit einem positiv besetzten Gefühl, anders, als sie dies bei Schulbüchern tun würden. Tablets werden mit Spaß und neuester, modernster Technik verbunden. Schüler sind zu Hause up to date und haben meist Zugang zu diesen digitalen Medien. Warum sollte das in der Schule nicht genauso sein?   Folgende Kompetenzen werden durch das Arbeiten mit iPads im Unterricht  vertieft und erzielt:

1. Bedienen und Anwenden
2. Informieren und Recherchieren
3. Kommunizieren und Kooperieren
4. Produzieren und Präsentieren
5. Analysieren und Reflektieren
6. Problemlösen und Modellieren

Unsere Schule ist, was die Ausstattung angeht, bestens ausgestattet. Accesspoints, WLAN-Abdeckung, Whiteboards, Apple-TV, Mediaboards und fast 90 iPads bereichern jetzt schon den Unterricht und haben zu einer enormen Veränderung des Unterrichts geführt. Jetzt geht es in den nächsten Jahren darum, dass die digitale Entwicklung der letzten 18 Monaten eine Nachhaltigkeit erfährt und dass die Kompetenzen, die die Schüler gerade auch im Fernunterricht erringen konnten, gestärkt werden.

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