
Wenn aus „Hospiz“ eine Herberge wird – Besuch vom Kinder- und
Jugendhospiz Sterntaler
Es war ungewöhnlich still im Raum, und das lag nicht an einer Klassenarbeit. Christine Stolz und
Bernadette Gregorschütz vom Kinder- und Jugendhospiz Sterntaler in Dudenhofen waren zu Gast bei
den Klassen 8a, 8b und 8c und ihren Lehrkräften Herrn Seibel und Herrn Lenk. Sie sprachen über ein
Thema, dem viele lieber ausweichen: schwer kranke Kinder, Sterben und Trauer. Schulleiter Herr
Scheve führte behutsam in das „Tabuthema“ ein und moderierte die Veranstaltung.
Gleich zu Beginn räumten die beiden Referentinnen mit einem Missverständnis auf. „Hospiz“ heißt
übersetzt Herberge. In einem Kinderhospiz wird zwar auch Sterbebegleitung geleistet, vor allem aber
ist es ein Ort der Entlastung. Familien mit einem lebensverkürzend erkrankten Kind dürfen über das
Jahr verteilt mehrmals dort Urlaub machen. Pflegefachkräfte versorgen dann das kranke Kind.
Gleichzeitig kümmern sich Sozial- und Heilpädagogen um die Geschwister, und auch die Eltern
werden betreut. Manche Familien kommen so über zehn Jahre lang immer wieder. Das Motto des
Hauses lautet: „Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben.“
Ein kurzer Film gab Einblicke in den Alltag in Dudenhofen. Zu sehen waren das Therapiebad, das
Musikzimmer, Besuche von Ponys und Hunden und viele Ehrenamtliche, die vorlesen, Gitarre spielen
oder einfach Zeit schenken. „Bei uns wird viel gelacht“, betonten die Referentinnen. „Aber wir
schämen uns auch unserer Tränen nicht.“

Im anschließenden Gespräch stellten Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte offene Fragen. Wie hält
man diese Arbeit aus? Wer bezahlt das alles? Die Antworten überraschten manche. Das Kinderhospiz
Sterntaler ist das einzige stationäre Kinderhospiz in Rheinland-Pfalz und hat nur acht Plätze. Für die
Familien ist der Aufenthalt kostenlos. Die Krankenkasse übernimmt nur einen Teil der Kosten, vieles
wird seit über 20 Jahren aus Spenden finanziert.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Trauer bei Kindern und Jugendlichen. Trauer ist eine
gesunde Reaktion auf Verlust, und es gibt dabei kein Richtig oder Falsch. Junge Menschen zeigen sie
oft auch als Wut. Für manche ist die Schule bewusst eine „trauerfreie Zone“, in der sie nicht darauf
angesprochen werden möchten. Besonders Geschwister kranker Kinder stehen oft in der zweiten
Reihe und brauchen unsere Aufmerksamkeit.
Wir danken Christine Stolz und Bernadette Gregorschütz herzlich für diesen offenen, authentischen
und berührenden Vormittag. Wer die Arbeit des Kinder- und Jugendhospizes Sterntaler unterstützen
möchte, findet Informationen auf der Homepage des Hospizes.