Flüchlinge eine Petition der Schulleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen der Realschule plus Rockenhausen setzen wir – Schulleiter Harald Scheve und die DaF-Lehrerin (Deutsch als Fremdsprache) Anette Moosmann – uns dafür ein, dass die Ausweisungsbescheide für die beiden Schwestern Ilyana und Leen Abdulhadi, momentan wohnhaft in Winnweiler, nicht vollzogen werden.

Seit zwei Jahren sind die Schwestern an unserer Schule. Jetzt sollen sie zusammen mit ihrer Mutter ausgewiesen werden. Die beiden Schwestern zeigten sich ab dem ersten Schultag hochmotiviert, sich zu integrieren. Dabei lernten sie schnell und mit viel Fleiß die deutsche Sprache. Sie zählen beide in vielen Fächern zu den Besten ihrer Klasse. Zudem engagieren sie sich auch außerhalb des Unterrichtes sehr stark bei schulischen Veranstaltungen, zum Beispiel bei Krippenspielen oder in der Sozial-AG.

Ilyana und Leen haben sich in kürzester Zeit sowohl in die Schulgemeinschaft als auch in ihrer Wohngemeinde hervorragend integriert. Das zeigt sich unter anderem an einem großen Freundeskreis, den beide Schwestern inzwischen haben.

Zur Geschichte der Abdulhadi:  Die Familie lebte bis 2013 in Damaskus/Syrien. Es sind eigentlich Palästinenser, die Ende der vierziger Jahre (die Vorfahren) ihre Heimat/Israel verlassen haben und seitdem in Syrien lebten. Es ist eigentlich eine Familie ohne Staatsangehörigkeit!

In Syrien haben Leen und Ilyana Abdulhadi erlebt, nachdem sie gerade aus der Schule gegangen waren, wie die Schule durch Bomben in Schutt und Asche gelegt wurde. Neben dieser Bombardierung hat die Familie noch zahlreiche andere miterleben müssen. Die Kinder haben Erschießungen und Tote gesehen. Die Familie hat im Jahre 2013 keine andere Möglichkeit gesehen, Damaskus zu verlassen… in Richtung Vereinigte Arabische Emirate. Hier lebten sie unter erbärmliche Bedingung – in Illegalität – die Kinder wurden von den Eltern beschult. Beide Mädchen haben per Internet Englisch gelernt. Im Jahre 2014 ist der Vater über die Türkei nach Deutschland geflohen und hat dort Asyl beantragt. Meines Wissens wurde dies nach 3 Jahren bewilligt, sodass der Vater lebenslanges Aufenthaltsrecht besitzt. Im Jahre 2017 hat der Vater seine Familie nach Deutschland nachgeholt. Das Ehepaar ist offiziell immer noch verheiratet, der Vater lebt aber seit über 2 Jahren getrennt von seiner Familie. Die Mutter besitzt das alleinige Sorgerecht. Da die Familie getrennt lebe, würde der alleinige Grund für den Aufenthalt in Deutschland entfallen. (Schreiben der Kreisverwaltung vom 17.11.2020).

Die Mutter und die beiden Töchter haben am 9.10.2020 eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung beantragt. Die Bearbeitung konnte jedoch aufgrund der aktuellen Situation (Corona) nicht bearbeitet werden!

Falls eine Abschiebung vollzogen wird, kommt diese Familien wieder zurück nach Syrien. Die Mutter und beiden Töchter wären in einem der gefährlichsten Länder der Welt, wo man jeden Tag und jede Nacht um sein Leben fürchten muss. Bombenanschläge, Schusswechsel, Folter und Verhaftungen sind hier an der Tagesordnung. Nicht ohne Grund erleben wir in Europa seit Jahren eine Flüchtlingswelle- gerade aus Syrien- den Menschen geht es vor allen Dingen darum, ihr Leben zu retten. Das Land Rheinland-Pfalz will nun, diese Familienmitglieder in ein solches Land  abschieben.Wir fragen uns, ob die Familie diese in Betracht gezogene Ausweisung überhaupt überleben wird. Falls der deutsche Staat auf das „Recht“ pocht, muss man sich darüber klar sein, dass man die Familie in den Tod schickt. Ob sie dann im Lager – unter miserablen hygienischen Zuständen mit hoher Infektionsrate – oder durch Bomben oder Gräueltaten umkommen, ist dann eigentlich sekundär.

Iliyana und Leen haben seit ihrer Flucht aus Palästina zum ersten Mal so etwas wie eine Heimat gefunden – und zwar hier in Deutschland, in Winnweiler und Rockenhausen. Beide sind fester Bestandteil der Schulgemeinschaft und sind ebenso (s.o.) sozial engagiert. Ich habe bisher wenige Schülerinnen gehabt, die so engagiert, so lernwillig und freundlich waren wie diese beiden Schülerinnen. An der Schule wird Integration gelebt und nicht nur gepredigt. Gerade auch das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer hat diese ideale Integration erst ermöglicht. Es gibt in Deutschland Parallelgesellschaften und Menschen, die sich auch nach 20 Jahren in Deutschland nicht integrieren und angepasst haben. Beide Schwestern sind ein Vorbild für alle gelungenen Integrationen Für beide wäre es eine seelische und physische Katastrophe, Deutschland verlassen zu müssen. Sie haben vor einigen Jahren ihr Land und Kultur verlassen, mussten hier wieder Wurzeln schlagen und können jetzt nicht in Deutschland bleiben, weil die Eltern sich getrennt haben.

Ich denke, dass allein ein gesunder christlicher, islamischer oder jüdischer Menschenverstand, der die Basis in einer Humanität anerkennt, hier aufschreien muss. Wir setzten uns daher mit allen uns zur Verfügung stehenden Mittel ein, dass die Familie in Deutschland bleiben darf.

Wie bitten Sie, sehr geehrte Damen und Herren, dringlichst, die Ausweisungsbescheide zurückzunehmen und damit den beiden jungen Schülerinnen ihre Lebensperspektive hier in Deutschland zu ermöglichen. Ein „Rückführung“ wäre eine Katastrophe.

Vielleicht kann man noch mal den Bescheid unter humanitären Gesichtspunkten betrachten- auch formal (siehe oben ) ist nicht alles „glatt“ gelaufen –  und zu einer Neubewertung dieses speziellen Falles kommen

Für Rückfragen oder weitergehende Auskünfte stehe ich jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

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