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Der Rocky-Knigge[1] für unseren Fernunterricht Seit mehreren Wochen sind wir – wie alle Schülerinnen und Schüler – im Fernunterricht. Aus den Medien erfahren wir immer wieder, dass es an vielen anderen Schulen überhaupt nicht läuft. Entweder man ist seitens der Schule nicht vorbereitet und verschickt fleißig Wochenpläne weiter oder die landeseigenen IT-Lösungen sind oft sehr problematisch.
Realschule plus Rockenhausen: Klein, aber fein Rockenhausen: Kooperatives Modell – Flexible Ganztagsschule – Virtueller Rundgang auf der neuen Homepage |loc Als „kleine, nicht anonyme, kooperative Realschule“ bezeichnet Schulleiter Harald Scheve die Realschule plus in Rockenhausen. Hier gibt es mit nicht mal 200 Schülern die geringste Schüleranzahl im Kreis. Das erleichtert in Scheves Augen denn Übergang von Grundschule in die weiterführende Schule immens.Hinzu kommen weitere Aspekte: „Mit dem Abitur sind viele Kinder überfordert“, sagt Scheve. „In der Realschule plus werden die Kinder da abgeholt, wo sie sind. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und ist ganz wichtig fürs weitere Leben. Außerdem bleibt Zeit für Hobbys und andere Aspekte als nur Schule.“ Weiter führt Scheve an, dass der Weg nach dem Abschluss auf der Realschule plus auch nicht vorbei sein muss. 35 bis 40 Prozent der Schüler gingen danach schulisch noch weiter. Eine der ersten Dinge, die Scheve angegangen ist, nachdem er als Schulleiter der Realschule plus in Rockenhausen angefangen hatte, war eine neue Homepage. Ein virtueller Rundgang durch die Schule, viele kleine Filme und die wichtigsten Infos auf einen Blick runden das Onlineangebot ab. Bei der Berufsorientierung will Scheve die Schule noch weiter öffnen und vor allem die handwerklichen Berufe noch stärker hervorheben. Die Realschule plus bietet ein flexibles Ganztagsmodell an. Das heißt zum Beispiel, dass viele Fächer doppelt mit Lehrern besetzt sind, damit „den Schülern der Übergang aus der Grundschule erleichtert wird und Unterschiede ausgeglichen werden können“, erzählt Scheve. In der Orientierungsstufe werden die Hauptfächer gezielt gefördert und auch am Nachmittag unterrichtet. Außerdem gibt es maximal 25 Kinder pro Klasse. Als schuleigene Wahlpflichtfächer bietet die Realschule plus in Rockenhausen Gesundheit und Sport sowie Mathematik-Naturwissenschaften an. Es gibt einen Schüleraustausch mit der französischen Stadt Rognac und viele Fahrten, die eine starke geschichtliche Ausrichtung haben. In den Pausen gibt es einen Schülerladen, erzählen die Schülersprecherinnen Jasmin Hoffmann, Jacqueline Roos und Sarah Heintz. Dort verkauft der Kurs Wirtschaft und Verwaltung Essen und Trinken. Im Netz Weitere Infos zur Realschule plus gibt es unter www.rsrokplus.de. DREI FRAGEN AN Harald Scheve |loc Warum sollten sich Viertklässler für die Realschule plus in Rockenhausen entscheiden?Weil wir eine nette, kleine, übersichtliche Schule sind. Gerade hier im Nordpfälzer Bergland sind viele von kleinen Grundschulen und wenn die in ein System mit 1500 Schüler reinfallen, das ist für manche nicht so ganz einfach. Die Realschule hat eine lange, eine gute Tradition. Was würden Sie gerne noch verändern oder verbessern?Es ist wirklich eine gute Schule, aber von 1966. Da müssen schon noch ein paar Sachen verändert werden: die Sporthalle, ein paar Räume müssen dringend renoviert werden, es ist alles ein bisschen dunkel, da soll mehr Farbe hin. Jetzt warten wir noch auf 70 iPads aus dem Digitalpakt.Was ist das Beste?Ich freue mich jeden Tag, wenn ich in die Schule fahre. Die Menschen sind hier sehr nett, die Lehrer auch. Es gibt viele neue Ideen. Wir stehen füreinander ein. Es ist nicht immer alles perfekt hier, aber das Wichtigste ist die Basis, dass man miteinander kann. Die Schüler sind supernett, mit denen kann man wirklich arbeiten. DREI FRAGEN AN Jasmin Hoffmann, Jacqueline Roos, Sarah Heintz |loc Warum sollten sich Viertklässler für die Realschule plus in Rockenhausen entscheiden?Weil alle Lehrer lieb sind, weil man hier viel lernt und weil es nicht so viele Schüler gibt wie zum Beispiel auf der IGS. Dann können die Lehrer auch besser auf die Schüler eingehen, weil wir gerade nicht so viele sind. Wir haben auch ein gutes Verhältnis zu den Lehrern, verstehen uns alle sehr gut. Man verläuft sich nicht so schnell in der Schule. Der Übergang von der vierten in die fünfte Klasse ist super, weil man erstmal viele Kennenlernspiele macht.Was würdet ihr an eurer Schule gerne noch verändern oder verbessern?Bei den Toiletten gibt es manchmal das Problem, dass Klopapier fehlt. Außerdem Kleinigkeiten in den Räumen, die könnten farbenfroher gestaltet sein. Natürlich wäre es auch schön, mehr iPads und Beamer zu haben.Was ist das Beste?Da gibt es gar nicht nur eine Sache, da gibt es mehrere, die richtig schön sind. Eigentlich ist hier alles toll und gut. Wir fühlen uns sehr wohl hier.
SWR zum Fernunterricht an unserer Schule audio ˋ
Erfolgreiches Online-Angebot freut Eltern und Schüler „Mein Kind muss in die Online-Schule!“ Eine Aussage, häufig verbunden mit einem tiefen Stoßseufzer, verbinden sich mit dem Unterricht von zu Hause aus doch bei sehr vielen große Probleme. Systeme brechen zusammen, Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule gestaltet sich problematisch, die Abgabe von Aufgaben sorgt für Knatsch in Familien, die ihren Feierabend mit dem mühevollen Hochladen von Fotos und sonstigen Dateien verbringen müssen. Auch die Realschule plus Rockenhausen befindet sich im Fernunterricht. Doch hier läuft vieles anders. „Unsere Schule hat sich monatelang Gedanken gemacht, wie ein effektiver Fernunterricht aussehen kann“, erläutert Harald Scheve, Schulleiter der RSROK. Bereits im letzten Schuljahr hatte sich die Realschule als Software-Lösung für Teams von Microsoft entschieden. Scheve meint: „Dies war eine gute Entscheidung. Unsere Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte können das Programm einfach bedienen und es funktioniert ohne Störungen.“ Ein Problem, das im ersten Lockdown der Schule zurückgemeldet wurde, war, dass für viele Schüler der normale Tagesablauf völlig verloren ging. „Dies hatte negative Auswirkungen auf das Lern- und Arbeitsverhalten der Kinder. Daher war uns wichtig, dass wir durch einen festen Online-Stundenplan die Rahmenbedingungen für einen stabilen Tagesrhythmus schaffen und einen annähernd ‚normalen‘ Schultag von 8 bis 13 Uhr gestalten. Dies bietet den Kindern Struktur und Halt“, berichtet Schulleiter Scheve. Aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns heraus war jedoch auch klar: Videounterricht ist nicht gleich Präsenzunterricht. Sechs Stunden durchgehender Unterricht, wie im Präsenzstundenplan vorgesehen, wären weder für Lernende noch für Unterrichtende sinnvoll, „ganz im Gegenteil, das wäre psychologisches und pädagogisches Harakiri!“, bekräftigt Scheve. Aus diesem Grund gibt es an der Realschule plus Rockenhausen für den Fernunterricht einen eigenen Stundenplan. Auf diesem finden sich pro Tag maximal vier, in den den höheren Klassen fünf Fachstunden mit einer Länge von 30 Minuten. Jeder Tag startet mit einer Klassenleiterstunde, um anstehende Probleme und Fragen zu klären und Anwesenheiten zu kontrollieren. Zwischen den Stunden gibt es einen Puffer von 15 Minuten, die als persönliche Pause, zur Klärung individueller Fragen mit dem Fachlehrer per Chat oder als Arbeitsphase genutzt werden können, um schriftliche Arbeitsaufträge zu bearbeiten. „So endet ein Fernunterrichtsschultag spätestens um 12:45 Uhr. Die Stundentafel und die Dauer einer Unterrichtsstunde wurden gekürzt, sodass es nicht zu einer Überlastung der Schülerinnen und Schüler kommen sollte. Es gibt einige Fächer, für die wir den Video-Unterricht nicht als sinnvoll sehen. Im WPF-Bereich der Klassen 6 und 7, in Religion, BK und Sport findet kein Video-Unterricht statt. Hier werden stattdessen Aufgaben über die Lernplattform gestellt, die zu erledigen sind. Der Umfang ist dabei maximal auf 20 Minuten pro Woche geplant. Für Rückfragen zu diesen Arbeitsaufträgen steht der Fachlehrer über Teams zur Verfügung“, erläutert Harald Scheve das Herangehen. Besonders stolz ist die Schulleitung auf eine Erfolgsmeldung der letzten Woche: „Wir konnten in den letzten Tagen alle Schülerinnen und Schüler mit iPads ausstatten, denn die Lieferung der Kreisverwaltung kam noch gerade rechtzeitig zum erneuten Lockdown. Schülerinnen und Schüler, die zu Hause keine Internetverbindung haben, können bei uns in der Schule in der Notbetreuung mitarbeiten.“ Nach den ersten Unterrichtstagen gemäß dem neuen Online-Stundenplan gab es eine Umfrage unter Eltern, Schülern und Lehrkräften. Wie wird die neue Struktur aufgenommen, wo bestehen noch Probleme, was läuft gut oder sollte verbessert werden? „Insgesamt waren wir sehr zufrieden mit den Rückmeldungen. Wir haben viel Positives berichtet bekommen“, kann Thomas Halfmann, Konrektor der RSROK, zusammenfassend feststellen. „Es sind teilweise mehr Schülerinnen und Schüler im Online-Unterricht präsent als im normalen Präsenzunterricht. Auch unser Schulelternbeirat hat insbesondere die Organisation des Unterrichts gelobt.“ Das Fazit von Schulleiter Scheve: „Natürlich wünschen wir uns wie alle baldige Normalität, denn ein Fernunterricht – auch wenn er so gut läuft wie bei uns – ist kein Ersatz für den direkten Schüler-Lehrer-Kontakt! Doch bleibt festzustellen, dass die Realschule plus Rockenhausen in der aktuellen Situation bestmöglich aufgestellt ist.“
Von schleimigen Geistern und sprechenden Bäumen Vorleseworkshop der sechsten Klassen Geister kann man mit Salzwasser jagen und Bäume erfinden gerne Fantasieworte. Glaubt ihr nicht? Die Schülerinnen und Schüler, die beim Vorlesewettbewerb der sechsten Jahrgangsstufe mit dabei waren, können euch dies bestätigten. Denn sie wurden von den beiden Klassensiegern, Elena Willrich aus der 6a und Lukas Ruiz-Vielhaber aus der 6b, umfassend darüber informiert. Kurz bevor die Schulgemeinschaft in die Ferien aufbrach, lieferten sich Elena und Lukas ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie stellten mit Hilfe ihrer selbst angefertigten Plakate Autor und Inhalt ihres ausgewählten Buches vor und lieferten ihren Klassenkameraden anschließend einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Buch. Elena berichtet dabei von einem geheimen Kontinent, der unter anderem bevölkert wird von den oben erwähnten fantasievollen, mit Sprache spielenden Bäumen. Diesen Kontinent kann man nur durch eine verzauberte Tür betreten – die sich auch auf Elenas Plakat wiederentdecken ließ. Lukas wusste von Cornelia Funkes Geisterjägern und deren ungewöhnlichen Methoden der Gespensterjagd zu berichten. Sehr beeindruckend trug er die von ihm ausgewählte Stelle vor, indem er den unterschiedlichen Figuren sehr überzeugend eine ganz eigene Stimme verlieh. Im Finale lasen die beiden Klassensieger noch einen unbekannten Text vor, wobei sich beide sehr gut schlugen, sodass anschließend die Frage danach, wer denn jetzt wohl der bessere Leser sei, nur sehr schwer zu beantworten war. Mit ihrem souverän frei vorgetragenen Vorstellungsteil hatte Elena die Nase einige Millimeter vor Lukas, sodass sie als diesjährige Schulsiegerin im Vorlese-Wettbewerb in die Ferien gehen durfte. Wir gratulieren herzlich!
Sehr geehrte Damen und Herren, im Namen der Realschule plus Rockenhausen setzen wir – Schulleiter Harald Scheve und die DaF-Lehrerin (Deutsch als Fremdsprache) Anette Moosmann – uns dafür ein, dass die Ausweisungsbescheide für die beiden Schwestern Ilyana und Leen Abdulhadi, momentan wohnhaft in Winnweiler, nicht vollzogen werden. Seit zwei Jahren sind die Schwestern an unserer Schule. Jetzt sollen sie zusammen mit ihrer Mutter ausgewiesen werden. Die beiden Schwestern zeigten sich ab dem ersten Schultag hochmotiviert, sich zu integrieren. Dabei lernten sie schnell und mit viel Fleiß die deutsche Sprache. Sie zählen beide in vielen Fächern zu den Besten ihrer Klasse. Zudem engagieren sie sich auch außerhalb des Unterrichtes sehr stark bei schulischen Veranstaltungen, zum Beispiel bei Krippenspielen oder in der Sozial-AG. Ilyana und Leen haben sich in kürzester Zeit sowohl in die Schulgemeinschaft als auch in ihrer Wohngemeinde hervorragend integriert. Das zeigt sich unter anderem an einem großen Freundeskreis, den beide Schwestern inzwischen haben. Zur Geschichte der Abdulhadi: Die Familie lebte bis 2013 in Damaskus/Syrien. Es sind eigentlich Palästinenser, die Ende der vierziger Jahre (die Vorfahren) ihre Heimat/Israel verlassen haben und seitdem in Syrien lebten. Es ist eigentlich eine Familie ohne Staatsangehörigkeit! In Syrien haben Leen und Ilyana Abdulhadi erlebt, nachdem sie gerade aus der Schule gegangen waren, wie die Schule durch Bomben in Schutt und Asche gelegt wurde. Neben dieser Bombardierung hat die Familie noch zahlreiche andere miterleben müssen. Die Kinder haben Erschießungen und Tote gesehen. Die Familie hat im Jahre 2013 keine andere Möglichkeit gesehen, Damaskus zu verlassen… in Richtung Vereinigte Arabische Emirate. Hier lebten sie unter erbärmliche Bedingung – in Illegalität – die Kinder wurden von den Eltern beschult. Beide Mädchen haben per Internet Englisch gelernt. Im Jahre 2014 ist der Vater über die Türkei nach Deutschland geflohen und hat dort Asyl beantragt. Meines Wissens wurde dies nach 3 Jahren bewilligt, sodass der Vater lebenslanges Aufenthaltsrecht besitzt. Im Jahre 2017 hat der Vater seine Familie nach Deutschland nachgeholt. Das Ehepaar ist offiziell immer noch verheiratet, der Vater lebt aber seit über 2 Jahren getrennt von seiner Familie. Die Mutter besitzt das alleinige Sorgerecht. Da die Familie getrennt lebe, würde der alleinige Grund für den Aufenthalt in Deutschland entfallen. (Schreiben der Kreisverwaltung vom 17.11.2020). Die Mutter und die beiden Töchter haben am 9.10.2020 eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung beantragt. Die Bearbeitung konnte jedoch aufgrund der aktuellen Situation (Corona) nicht bearbeitet werden! Falls eine Abschiebung vollzogen wird, kommt diese Familien wieder zurück nach Syrien. Die Mutter und beiden Töchter wären in einem der gefährlichsten Länder der Welt, wo man jeden Tag und jede Nacht um sein Leben fürchten muss. Bombenanschläge, Schusswechsel, Folter und Verhaftungen sind hier an der Tagesordnung. Nicht ohne Grund erleben wir in Europa seit Jahren eine Flüchtlingswelle- gerade aus Syrien- den Menschen geht es vor allen Dingen darum, ihr Leben zu retten. Das Land Rheinland-Pfalz will nun, diese Familienmitglieder in ein solches Land abschieben.Wir fragen uns, ob die Familie diese in Betracht gezogene Ausweisung überhaupt überleben wird. Falls der deutsche Staat auf das „Recht“ pocht, muss man sich darüber klar sein, dass man die Familie in den Tod schickt. Ob sie dann im Lager – unter miserablen hygienischen Zuständen mit hoher Infektionsrate – oder durch Bomben oder Gräueltaten umkommen, ist dann eigentlich sekundär. Iliyana und Leen haben seit ihrer Flucht aus Palästina zum ersten Mal so etwas wie eine Heimat gefunden – und zwar hier in Deutschland, in Winnweiler und Rockenhausen. Beide sind fester Bestandteil der Schulgemeinschaft und sind ebenso (s.o.) sozial engagiert. Ich habe bisher wenige Schülerinnen gehabt, die so engagiert, so lernwillig und freundlich waren wie diese beiden Schülerinnen. An der Schule wird Integration gelebt und nicht nur gepredigt. Gerade auch das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer hat diese ideale Integration erst ermöglicht. Es gibt in Deutschland Parallelgesellschaften und Menschen, die sich auch nach 20 Jahren in Deutschland nicht integrieren und angepasst haben. Beide Schwestern sind ein Vorbild für alle gelungenen Integrationen Für beide wäre es eine seelische und physische Katastrophe, Deutschland verlassen zu müssen. Sie haben vor einigen Jahren ihr Land und Kultur verlassen, mussten hier wieder Wurzeln schlagen und können jetzt nicht in Deutschland bleiben, weil die Eltern sich getrennt haben. Ich denke, dass allein ein gesunder christlicher, islamischer oder jüdischer Menschenverstand, der die Basis in einer Humanität anerkennt, hier aufschreien muss. Wir setzten uns daher mit allen uns zur Verfügung stehenden Mittel ein, dass die Familie in Deutschland bleiben darf. Wie bitten Sie, sehr geehrte Damen und Herren, dringlichst, die Ausweisungsbescheide zurückzunehmen und damit den beiden jungen Schülerinnen ihre Lebensperspektive hier in Deutschland zu ermöglichen. Ein „Rückführung“ wäre eine Katastrophe. Vielleicht kann man noch mal den Bescheid unter humanitären Gesichtspunkten betrachten- auch formal (siehe oben ) ist nicht alles „glatt“ gelaufen – und zu einer Neubewertung dieses speziellen Falles kommen Für Rückfragen oder weitergehende Auskünfte stehe ich jederzeit zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen
SCHULLEITER SCHALTET SICH EIN Palästinensischen Mädchen und ihrer Mutter aus Winnweiler droht Abschiebung Ilyana, Leen und ihre Mutter sind seit 2017 in Winnweiler im Donnersbergkreis. Hierher sind die Mädchen und ihre Mutter nach vielen Jahren auf der Flucht gekommen. Doch nun sollten die drei abgeschoben werden. Ein Schock – nicht nur für die bestens integrierte Familie. Die Nachricht, dass sie abgeschoben werden sollten, kam ganz plötzlich. Mitte November erreichte Leen, Ilyana und ihre Mutter ein Brief vom Amt, dass sie Deutschland verlassen müssten. Hintergrund ist, dass der Vater zunächst alleine nach Deutschland geflüchtet war. Dann – 2017 – hatte er seine Frau und die Töchter nachgeholt. Vor zwei Jahren hat er sich allerdings von der Familie getrennt. Obwohl er mit seiner Frau noch verheiratet ist, dürfen die beiden Mädchen und ihre Mutter rein rechtlich nicht bleiben. Angst vor Syrien Wohin genau sie abgeschoben werden sollen – das war nicht klar, denn als Palästinenser ist die Familie staatenlos. Ihr Haus in Syrien ist von Bomben zerstört. Die Angst, dorthin zurückzumüssen, ist groß, erzählen Leen und Ilyana. „Ich will nicht sterben“, sagt die 16-jährige Leen. Seit drei Jahren sei sie nun in Deutschland. „Ich will einfach weiter hier leben. Denn hier in Deutschland gibt es keinen Krieg und man kann einfach friedlich leben.“ Als die Nachricht von der Abschiebung gekommen sei, sei das richtig schrecklich gewesen, fügt die 14-jährige Ilyana hinzu. Auch sie möchte natürlich in Deutschland bleiben, „weil hier ist mein Land und meine Freunde sind da, meine Schule ist da. In Syrien sterben wir und fertig. Aber hier gibt’s eine Zukunft.“ Leen und Ilyana Abdulhadi haben schon viel Schlimmes erlebt: Das Haus der Familie in Syrien wurde von Bomben zerstört. Die Schule der beiden Mädchen wurde ebenfalls von einer Bombe getroffen, kurz nachdem ihre Mutter sie dort abgeholt hatte. Illegalität und Flucht In ihrer Not flüchtetet die Familie in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort hielt sie sich allerdings illegal auf. Daher konnten die Mädchen nicht in die Schule gehen. Stattdessen wurden sie von ihrer Mutter, einer Lehrerin, unterrichtet. Seit 2017 ist Familie Abdulhadi nun in Deutschland, in Winnweiler im Donnersbergkreis. Die 16-jährige Leen erzählt, sie habe hier ein Jahr gebraucht, um Deutsch zu lernen. „Ich muss gut lernen“, sagt sie. „Damit die Leute hier nicht denken, ich könnte hier in Deutschland nichts werden. Ich muss zeigen, ich kann was machen, obwohl ich die Sprache nicht so gut kann.“ Beide Mädchen gehen auf die Realschule Plus in Rockenhausen. Dort gehören sie in allen Fächern zu den Klassenbesten, sagt ihr Schulleiter Harald Scheve. Er selbst unterrichtet die beiden in Erdkunde und erzählt, dass Leen und Ilyana ehrgeizig seien und im Unterricht oft freiwillig mehr machten als gefordert ist. „Die Familie ist bestens integriert“, sagt Scheve. „Die Mädchen haben Freunde, sind freundlich, gut in der Schule und sozial engagiert.“ Hilfe vom Schulleiter Als Schulleiter Harald Scheve von der drohenden Abschiebung erfahren hat, war er zunächst fassungslos, erzählt er. Daraufhin habe er die Familie zuhause besucht und sich deren Geschichte erzählen lassen. Dann war ihm klar: er muss helfen. Gerade in der jetzigen Zeit sei es wichtig, zu sagen „Hallo – Humanität existiert noch. Und wir reden nicht nur drüber, sondern wir machen was.“ Und Schulleiter Scheve hat etwas gemacht. Er hat sich an den Landrat des Donnersbergkreises, Rainer Guth (parteilos), und die Kreisverwaltung gewendet, hat Briefe geschrieben und Referenzen für die Familie beigelegt. Etwa die guten Schulzeugnisse von Ilyana und Leen, und auch eine Bescheinigung, dass die Mutter eine Fortbildung macht. Außerdem hat er gemeinsam mit den Dreien einen Asylantrag ausgefüllt. Für Scheve ist es ein Unding, dass die Umstände der Familie Abdulhadi nicht genauer betrachtet worden seien. Denn die Familie sei ein positives Beispiel für Integration, sagt Scheve. „Wenn man die dann auch noch ausweisen würde. Leute, die keinen Staat haben, das ist überhaupt nicht nachzuvollziehen.“ Harald Scheve ist inzwischen vorsichtig optimistisch, dass Ilyana, Leen und ihre Mutter in Winnweiler bleiben dürfen. Einen Bescheid oder irgendetwas Offizielles gibt es allerdings noch nicht. Der größte Wunsch der Mädchen In Deutschland bleiben und endlich Wurzeln schlagen – das ist der größte Wunsch von Leen und Ilyana. Denn beide haben große Pläne für ihre Zukunft: Rechtsanwältin ist der Berufswunsch von Leen. „Nicht wegen des Geldes, sondern um Menschen zu helfen, die in einer ähnlichen Lage sind wie wir“, sagt die 16-jährige. Ihre Schwester Ilyana möchte Ärztin werden. Ihrem Schulleiter Harald Scheve sind die Mädchen dankbar, dass er ihnen hilft. „Das war so geil“, sagt Ilyana und lacht. „Dass es jemanden gibt, der uns hilft und dass wir wichtig sind in diesem Leben, in dieser Welt.“Sendung vom Fr, 27.11.2020 12:00 Uhr, Am Mittag, SWR4 Radio Kaiserslautern
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